Die Reformation war eine Bewegung zur Erneuerung der christlichen Kirche vor rund 500 Jahren. Sie führte zur Entstehung der evangelischen Kirchen. Außerdem veränderte sie Schulen, Politik, Kultur und das Zusammenleben in Europa. Das Wort Reformation bedeutet Erneuerung.
Ein wichtiger Reformator war der Mönch und Professor Martin Luther. Er kritisierte den damaligen Handel mit Ablassbriefen. Der Kauf dieser Urkunden sollte die Strafen für Sünden im Fegefeuer verringern. Sünde im Christentum meint Gedanken und Taten, die der Liebe zu Gott und Mitmenschen widersprechen. Luther betonte: Gottes Vergebung der Sünden lässt sich nicht kaufen. Gott schenkt den Menschen seine Gnade.
Die Reformation hatte viele Helfer
1517 veröffentlichte Luther dazu 95 Thesen, zum Beispiel Aussagen über den Ablass. Dank der damals neuen Technik des Buchdrucks verbreiteten sich seine Gedanken schnell. Luther wollte zunächst die Kirche erneuern. Doch der Streit mit dem Papst führte zur Trennung. Auch andere Reformatoren wirkten daran mit, etwa Johannes Calvin in der Schweiz. So entstanden verschiedene evangelische Kirchen.
Luther übersetzte außerdem die Bibel aus ihren ursprünglichen Sprachen ins Deutsche, damit alle Menschen ihre Botschaft verstehen konnten. Es entstanden mehr Schulen, in denen Mädchen und Jungen lesen lernten. Evangelische Gemeinden stellten das Wort Gottes selbst und die Predigt stärker in den Mittelpunkt.
Veränderung auch bei der zuvor einzigen Kirche
Auch die katholische Kirche erneuerte sich und bekämpfte Missstände: Zum Beispiel beschränkte sie den besonders kritisierten Ablasshandel und bildete ihre Priester besser aus. Sie banden die Gemeinden mehr ein, wodurch sich die Gottesdienste veränderten. Auch entstanden Orden wie die Jesuiten, die für Schulen, Seelsorge und Mission eintraten.
Trennung und erneute Annäherung
Gleichzeitig entstanden schwere Konflikte mit den Anhängern der Reformation. Häufig bestimmten die Herrscher die Glaubensrichtung ihrer Bevölkerung. Manche Menschen mussten dann wegen ihres Glaubens fliehen. Religiöse und politische Gegensätze führten zu Kriegen unter den verschiedenen Kirchen, unter denen aber auch die unbeteiligte Bevölkerung litt. In der Folge zerbrach die religiöse Einheit des Christentums.
Heute arbeiten viele evangelische und katholische Gemeinden zusammen. Unterschiede bestehen weiterhin, etwa beim Verständnis der Kirche und des Abendmahls. Gemeinsam verbindet sie der Glaube an Jesus Christus. Am 31. Oktober erinnern evangelische Christinnen und Christen an die Reformation. Dieser Tag heißt Reformationstag.
